Pflanzen im Moor

In einem Moor wie dem Schwäbischen Donaumoos herrschen für alle Lebewesen ganz besondere Bedingungen. Eigentlich ist es das ganze Jahr über nass. Die Pflanzen wachsen zwar nicht in einem See, es herrscht trotzdem Staunässe im Boden: Im Fall unseres Niedermoores durch partiell aufsteigendes Grundwasser. Der Untergrund besteht aus Torf, das heißt aus nicht vollständig abgebautem Pflanzenmaterial. Deshalb herrschen hier nährstoffärmere Bedingungen als in normalen mineralischen Böden. Ein Hochmoor, auf das hier nicht näher eingegangen werden soll, ist noch deutlich nährstoffärmer.

Auf diese Bedingungen müssen sich die hier lebenden Pflanzen einstellen: So verfügen bestimmte Sauergrasarten über Durchlüftungsgewege, die Luftsauerstoff über die Blätter zu den unterirdischen Pflanzenteilen leiten, da im staunassen Milieu kein Sauerstoff zum Überleben der Wurzelgewebe zur Verfügung steht. Dies verschafft diesen Pflanzen einen Konkurrenzvorteil und so können sich Großseggenriede in einem natürlichen Niedermoor über viele Hektar ausdehnen.

Die Bachnelkenwurz (Geum rivale)

gehört zu den typischen Pflanzen der Riedgebiete. Sie wächst an den feuchten Uferrändern von Gräben, Wegen und Senken. Früher war sie auf jeder feuchten Wiese zu hause, heute ist sie sehr selten geworden. Im Zuge der Wiedervernässung breitet sie sich im Leipheimer Moos entlang den Rändern der Torfstiche und an anderen feuchten Stellen erfreulicherweise wieder aus.

Die Rispensegge (Carex paniculata)

zählt zu den großen Sauergräsern. Die horstbildenden Großseggen können sehr alt werden und stocken jeweils mit dem Jahresaustrieb auf den abgestorbenen Pflanzenteilen des Vorjahres auf. Dadurch wachsen die Bulte in die Höhe und es bilden sich dicke Strünke (Bulte oder Horste) aus den abgestorbenen Blattbasen. Speziell Rispenseggen sind in der Lage, stark schwankende Wasserstände und längere trockene Phasen zu überstehen. Die Horste können Durchmesser von über einem Meter erreichen. Alte Bulte in heute trockeneren Flächen zeugen von der weiten Ausdehnung der einst feuchtesten Bereiche des Moores.

Das Schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium)

verdankt seinen Namen dem langen, weißen Haarschopf aus Blütenhüllfäden, die die Früchte umgeben. Besonders schön ist dies Ende Mai zur Hauptblütezeit zu sehen. Damit können die Früchte mit dem Wind mehrere Kilometer weit getragen werden können. Der einjährige Wurzelkriechpionier überwintert mit grünen Blättern und erneuert diese erst im Frühjahr wieder. Die Pflanze wächst in sumpfigen Gelände und taucht seit der Wiedervernässung an sehr vielen Stellen im Moos wieder auf, an denen sie jahrelang gefehlt hatte.

Fieber- oder Bitterklee (Menyanthes trifoliata)

Die auffällig weißen Blütenblätter des Fieber- oder Bitterklees waren, wie Untersuchungen des Torfkörpers zeigten, schon in früheren Jahrtausenden gebietsprägend. Heute ist die Art auf Rest-Flächen, wie Tümpel und nasse Torfstiche angewiesen. Hinweisend auf die Heilwirkung der Pflanze ist schon der deutsche Name. So wurde die Pflanze zur Senkung von Fieber, zur Linderung von Magen- und Darmbeschwerden, sowie bei Erkältungen angewendet.

Der Wasserschlauch (Utricularia vulgaris)

ist eine fleischfressende Pflanze und bei uns stark gefährdet. Von der untergetauchten Art ist lediglich die gelbe Blüte über der Wasseroberfläche zu sehen. Die Blätter der Pflanze sind zu bläschenförmigen Klappfallen umgewandelt und vollständig unter Wasser. Durch Unterdruck wird in die Klappfalle nach Berührung Plankton eingesaugt und verdaut. Dadurch gewinnt die Pflanze ihre lebenswichtigen Nährstoffe. Im Leipheimer Moos wächst der Wasserschlauch in aufgestauten Grabenabschnitten und Torfstichen.

 

 

Die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica)

ist eine klassische Art der Streuwiesen. Sie hat sich mittlerweile in gut entwickelten Beständen ihren ehemaligen Lebensraum zurückerobert. Teilweise wandert sie aus den Streuwiesen-Arealen auch bereits in weitere Bereiche des Moores aus. Mehr an Grabenrändern wächst die nah verwandte, schwach giftige  und gelb blühende Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus).

Mehlprimel (Primula farinosa)

Die kleine, kräftig rosa Blüte der Mehlprimel bietet einen wunderschönen zarten Frühlingsaspekt. Die seltene Mehlprimel findet sich bei uns hauptsächlich auf hellen, offenen Standorten in Streuwiesen. Den besuchenden Insekten weist der gelbe Ring der Blüte den Weg zum Nektar. Den Namen verdankt die Pflanze den Drüsenhaaren, die Wachskristalle ausscheiden und so für den „bemehlten“ Eindruck der Blätter und Stängel sorgen. Die Zukunft der Mehlprimeln bei uns ist unklar, da die Pflanze besonders gut nur auf basischen Standorte gedeiht und es wegen des verringerten Grundwasser-Aufstiegs aus der Schwäbischen Alb an Kalknachlieferung mangelt.

Die Prachtnelke (Dianthus superbus)

ist ein Bewohner von nassen, modrig-humosen Böden. Die Blütenblätter sind meist lila bis hellpurpurn und tiefgeschlitzt. Bestäubt wird die Pflanze nur von Insekten mit langem Rüssel, der ihnen hilft an den Nektar am Grunde der schmalen Blütenröhre zu gelangen. Kleinere Insekten, die nicht als Bestäuber in Frage kommen, werden von Barthaaren am Eingang der Röhre zurückgehalten.

Der Gemeine Thymian (Thymus pulgelioides)

ist vorwiegend auf unseren Halbtrockenrasen zu finden. Seine kleinen, lila Blütenköpfchen verströmen einen aromatisch, würzigen Duft. Die Früchte tragen nahrhafte Ölkörper, die Katarrhe der Atemwege lindern können. In der Antike war Thymian, der vielerorts auch Quendel genannt wird, eine beliebte Beigabe in Opferfeuern. Häufig wird der bei uns heimische Feld-Thymian auch mit dem im Mittelmeerraum verbreiteten Gewürz-Thymian verwechselt.

Trollblumen (Trollius europaeus)

waren noch vor wenigen Jahrzehnten ein gewöhnlicher Anblick auf frischen bis feuchten Wiesen und Weiden. Da die Pflanzen Düngungen und frühe Schnitte schlecht vertragen, sind sie auf den heutigen Schnitt-Grünländern verschwunden und kommen nur noch in Restbeständen in Naturschutzgebieten vor. Aber auch dort sind sie in unserem Gebiet weiter gefährdet, weil sie ähnlich wie die Mehlprimel nur auf basischen Standorten gut gedeihen.

Die Niedrige oder Strauch-Birke (Betula humilis)

ist ein sogenanntes Eiszeit-Relikt. Nach Rückzug der Vereisung am Ende der Eiszeit blieben vereinzelte inselartige Verbreitungsareale außerhalb des Hauptareals in den Alpen zurück. Die Strauch-Birke zählt zu den Pioniergehölzen auf basenreichen Torfböden und ist streng geschützt. Von dieser nur etwa kniehoch wachsenden Baumart sind im Leipheimer Moos nur 2 Standorte bekannt.

Weitere Artbeschreibungen folgen im Laufe der Zeit.

Viel Wissenswertes über den Lebensraum Niedermoor und den dort lebenden Pflanzen, ergänzt mit vielen schönen Fotos, können Sie im 2012 erschienenen Buch von Dr. Ulrich Mäck & Dr. Hans Ehrhardt über das "Schwäbische Donaumoos - Niedermoore, Hand- und Auwälder" in eigenen Kapiteln, geschrieben von der Diplom-Biologin Dr. Monika Briechle-Mäck, nachlesen, die die Gebiete seit über 25 Jahren kennt. Sie erhalten das Buch in jeder Buchhandlung (ISBN 978-3-9815230-0-3) oder hier bei uns.