Pflanzen in Au- und Hangwald

Die Pflanzenwelt der Hang- und Auwälder muss mit den dort herrschenden Bedingungen zu recht kommen: Zum Einen beeinflusst die Steilheit der Hänge mit den häufigen Rutschungen durch die unterschiedlichen, mit Quellhorizonten vermischten Bodenschichten das Pflanzenkleid. Zum Anderen gibt es entlang des Flusses im natürlichen System viele kleine und auch das eine oder andere große Hochwasser jedes Jahr. Hochwässer schneiden das Wurzelwerk der Bäume immer wieder vom Luftzutritt ab und die Krautschicht ist sogar zeitweise ganz überflutet. Außerdem reißen extreme Hochwässer auch mal ganze Pflanzen oder Teile davon ab und spülen sie an anderer Stelle wieder an. Da heißt es dann durch rasche Wurzelausbildung neuen Halt zu finden.

Es sind also keine einfachen Verhältnisse, unter denen die Pflanzen im Hang- und Auwald existieren müssen. Und wenn ein Hochwasser eine besonders mächtige Kiesbank aufgeworfen hat, die später nicht mehr überflutet und mit Schlamm überdeckt wurde, entstand über die Zeit eine "Brenne", ein extrem trocken-heißer Lebensraum ohne echte Bodenbildung inmitten eines Wasserwaldes.

Heute ist die natürliche Dynamik am Fluss gestört. Viele Hochwasserereignisse bleiben aus. Die ehemalige Aue würde sich unweigerlich allmählich in einen Landmischwald wandeln. Daher ist es wichtig, unsere naturnahen Auwälder entlang der Donau zu schützen und zu unterstützen.

Der Märzenbecher (Leucojum vernum),

in Leipheim auch liebevoll Holzglocke genannt, ist nicht nur eine beliebte Gartenpflanze, sondern ein typischer Bewohner unserer Auwälder. Das Überwintern in Zwiebelform erlaubt den zeitigen Austrieb und das Blühen bereits im Februar und März. Typisch für Märzenbecher sind die sechs milchweißen Blütenblätter mit den gelbgrünen Flecken an der Spitze. Die glockenförmigen Blüten werden von Bienen und Tagfaltern bestäubt, auch Selbstbefruchtung kommt vor. Als Frucht bildet sich eine grüne Kapsel. Zwiebel und Blätter sind schwach giftig.
Obwohl viele Bereiche unserer Hartholz-Auwälder im Frühjahr einem wahren Blütenmeer aus Märzenbechern gleichen, ist die Art gefährdet und steht unter strengem Schutz.

Die Stiel-Eiche (Quercus robur)

ist der wohl beeindruckendste Baum unserer Wälder: Urig und meist knorrig im Wuchs, oft mächtige Baumgestalten. Wachsen sie unter Auwald-Bedingungen, vermögen sie wie keine andere Baumart längere Überstauungszeiten bei Hochwasser ohne Schaden zu überleben. Die bis in Grundwasser reichende Pfahlwurzel erlaubt die Besiedlung auch oberflächig trockener Standorte. Stiel-Eichen bilden gestielte, napfförmige Fruchtbecher, in denen die Nussfrucht - die Eichel - sitzt. Erst ab einem Alter von 60 Jahren werden keimfähige Eicheln gebildet. Diese sind Nahrung für viele Tiere. Von großer Bedeutung ist die Beziehung zwischen Eiche und Eichelhäher: Der Rabenvogel legt Futterdepots aus Eicheln für den Winter an. Vergessene oder übrig gebliebene Früchte keimen dann, erhalten und verbreiten so die Art.
Im Bild die ehemalige "Freiberg-Eiche", eine der ältesten Eichen bei uns im Auwald, kurz bevor sie einem Sturm zum Opfer fiel.

Der Bärlauch (Allium ursinum)

gehört zu den späten Frühjahrsblühern. Er ist in unseren Hang- und Auwäldern häufig und nutzt den Lichtgenuss im Frühjahr bevor das Blätterdach der Bäume zu dicht wird. Er verströmt intensiven Knoblauchgeruch. Die Vegetationszeit berträgt nur zwei bis drei Monate, dann ziehen die Pflanzen wieder in die unterirdische Zwiebel ein. Bärlauch ist ein beliebtes Wildgemüse mit antibakterieller Wirkung im Magen.

Bärlauch darf auch außerhalb der Schutzgebiete höchstens in der Menge eines Handstraußes gesammelt werden. Eine eventuelle Kontamination mit Fuchsbandwurmeiern zu beachten.

Das Brandknabenkraut (Orchis ustulata)

benötigt sehr magere und trockene Standorte, wir finden diese für Kalkmagerrasen typische Orchidee auf unseren offenen Brennen. Nicht vollständig aufgeblühte Blütenstände wirken "wie angekohlt", da in Knospenlage nur die dunkle Außenseite der oberen Blütenblätter sichtbar ist. Gefährdet sind die Standorte durch Düngung, Verbuschung oder Trittschäden.

Das Brandknabenkraut steht wie alle Orchideen unter strengem Schutz.

Die Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum)

zaubert kräftige pinkfarbige Tupfer auf die Brennen. Den Namen verdankt sie wohl dem Umstand, dass sie in alten Klostergärten vorkommt, in denen sie zur Bereitung schmerzlindernder Medizin bei Rheuma gezüchtet wurde. Die wärmeliebende Tagfalterblume hat ihre nächste Verbreitung auf den Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb.

 

 

Das Weiße Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

überzieht mit einer Vielzahl anderer Arten den Waldboden im Frühjahr wie ein Teppich. Die filigranen Blüten des Buschwindröschens schließen sich bei Nacht und bei schlechter Witterung. Die Bewegung ist durch das Blütenwachstum bedingt. Der giftige Pflanzensaft enthält den Sekundärpflanzenstoff Protoanemonin und kann bei Berührung zu Haut- und Schleimhautentzündungen führen.

Der Aronstab (Arum maculatum)

ist ein Indikator für nährstoffreichere Standorte. Erstaunlich bei dieser Art ist deren komplizierte Bestäubungsbiologie: Das obere Ende des Blüten-Kolbens verströmt einen ausgeprägten Aasgeruch, der durch eine aktive Wärmeerzeugung verstärkt wird. Dadurch werden Insekten angelockt, die an der speziellen Oberflächenstruktur des Blütenblattes keinen Halt finden und in einen vom Hüllenblatt gebildeten Kessel fallen. Auf der Suche nach dem Ausgang werden die weiblichen Blüten mit mitgebrachten Pollen bestäubt. Über Nacht öffnen sich die männlichen Blüten und bepudern das Insekt beim erneuten Versuch ins Freie zu gelangen. Nach einer gelungenen Flucht ist das Insekt in Pollen gehüllt. Wen es wenig später von der nächsten Aronstab-Blüte angelockt und gefangen wird, kann dort dann die Bestäbung erfolgen.

Die Hummelragwurz (Ophrys holosericea)

wächst bei uns nur auf den Trockenrasen der Brennen. Die Blüten dieser geschützten Art imitieren den Sexuallockstof und kopieren auch optische und taktile Schlüsselreize, um überwiegend Langhornbienen anzulocken. Beim Paarungsversuch wird den Bienen der Blütenstaub als gestielte Einheit angeheftet. Bei der nächsten Blüte drückt sich dort die Biene beim Nektarsammeln gegen die Narbe und bestäubt diese so.

Der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare)

ist eine zweijährige Ruderal-Pflanze, die überwiegend auf Schuttflächen, Felsen und auf Ödland verbreitet iEbenso besiedelt sie gerne Wege und Bahngelände. Sie kann an ihren Borstenhaaren Wasser kondensieren und ist so gut an Trockenheit angepasst. Bei uns wächst sie daher auch auf den Brennen. Die giftige Pflanze bildet als sekundären Pflanzenstoff Pyrrolizidinalkaloide aus, der als Fraßschutz dient.

Der Gefranste Enzian (Gentiana ciliata)

ist eine geschützte Art, die sich nur sehr langsam auf unseren Trockenstandorten verbreitet. Die zweijährige Pflanze hat leicht nach Veilchen duftende, violettblaue Blüten. Bestäubt werden die Blüten von langrüsseligen Hummeln und Tagfaltern. Wie bei allen Enzianarten öffnen und schließen sich die Blüten über Wachstumsbewegungen. Ältere Blüten einen Durchmesser von bis zu 5 cm haben.

Der Kreuzenzian (Gentiana cruciata)

ist eine sogenannte "Stromtalpflanze". Diese wachsen vor allem in den großen Flußtälern. Die bei uns auf den Brennen vorkommenden Kreuzenziane wurden ursprünglich als Schwemmlinge aus dem alpinen Bereich von Iller und Donau bis zu uns verdriftet. Der Name leitet sich von den kreuzförmig sich gegenüberstehenden Blütenzipfeln, aber auch der Blattanordnung ab. Im Mittelalter wurde darin sogar ein christliches Symbol gesehen.

Es können weitere Artbeschreibungen im Laufe der Zeit folgen.

Viel Wissenswertes zum Lebensraum Au- und Hangwald und den dort lebenden Pflanzen, illustriert mit vielen Fotos, können Sie im 2012 erschienenen Buch von Dr. Ulrich Mäck & Dr. Hans Ehrhardt über das "Schwäbische Donaumoos - Niedermoore, Hand- und Auwälder" in eigenen Kapiteln, geschrieben von der Diplom-Biologin Dr. Monika Briechle-Mäck, nachlesen, die die Gebiete seit über 25 Jahren kennt. Sie erhalten das Buch in jeder Buchhandlung (ISBN 978-3-9815230-0-3) oder hier bei uns.