Schatzkammer im Verborgenen – Pilze im Schwäbischen Donaumoos
04. September 2025
Schatzkammer im Verborgenen – Pilze im Schwäbischen Donaumoos
Wenn im Herbst Spaziergänger durchs Schwäbische Donaumoos streifen, staunen sie meist über die beeindruckende Vogelwelt oder die weiten Moorflächen. Weniger bekannt ist, dass sich hier auch eine verborgene Schatzkammer verbirgt: die Pilzflora. „Das Donaumoos beherbergt viele besondere und seltene Pilzarten – darunter sogar Arten, die hier erstmals für die Wissenschaft beschrieben wurden“, erklärt Manfred Enderle, Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Der Leipheimer Mykologe hat über Jahrzehnte hinweg die Pilzvielfalt der Region erforscht und zahlreiche Funde wissenschaftlich dokumentiert.
Pilze sind weit mehr als nur Steinpilze oder Pfifferlinge. Sie übernehmen zentrale Funktionen im Ökosystem: Als Zersetzer bauen sie abgestorbenes Pflanzenmaterial ab, als Symbiosepartner versorgen sie Bäume mit Nährstoffen. Auch im Donaumoos sind sie unverzichtbar für das empfindliche Gleichgewicht zwischen Wasser, Pflanzen und Tieren. Unter den mittlerweile rund 900 nachgewiesenen Arten finden sich zahlreiche Raritäten, darunter sogar Pilze, die hier als neue Arten für die Wissenschaft beschrieben wurden. So wurden etwa der Riedheimer Rötling (Entoloma riedheimensis), der Riedheimer Fischerheim-Rötling (Entoloma inusitatum), der Leipheimer Helmling (Mycena caliginosa) oder das Blasse Samthäubchen (Conocybe subpallida) erstmals im Donaumoos entdeckt. Ein ganz besonderer Fund ist Krieglsteiners Filzkrempling (Ripartites krieglsteineri), der bislang ausschließlich im Günzburger Mooswald nachgewiesen wurde. Und mit dem Enderles Rötling (Entoloma enderlei) trägt sogar eine Art den Namen des Leipheimer Pilzkenners – ein Beleg für die herausragende Bedeutung seiner Arbeit.
Diese Typus-Lokalitäten, an denen Pilze erstmals beschrieben wurden, genießen aus wissenschaftlicher Sicht einen besonders hohen Schutzwert. Mit der Wiedervernässung entstehen für manche seltene, moortypische Pilzarten neue Chancen, auch wenn sich die Pilzgesellschaft insgesamt verändert. „Wenn Moore erhalten und Feuchtgebiete wiedervernässt werden, schafft das auch für bestimmte seltene Pilze die notwendigen Lebensbedingungen“, betont Dr. Raphael Rehm, Geschäftsführer der ARGE Donaumoos. Allerdings fehlen Pilze bislang in den europäischen Schutzvorgaben; rechtlich verbindliche Maßnahmen speziell für sie gibt es nicht. Ihr Schutz erfolgt daher nur indirekt über die Erhaltung ihrer Lebensräume – umso wichtiger ist es, auf ihre Bedeutung aufmerksam zu machen. Bislang standen in der Öffentlichkeitsarbeit vor allem die Vogelwelt und die Pflanzen im Vordergrund. Doch das Donaumoos ist nicht nur ein Vogelparadies, sondern auch ein einzigartiges Pilzgebiet. Wer bei seinem nächsten Spaziergang genauer hinschaut, kann entdecken, wie bunt und vielfältig die Welt der Pilze ist – und wie eng sie mit dem Leben im Moor verknüpft ist.

Im Schwäbischen Donaumoos wurden rund 900 Pilzarten nachgewiesen, einige davon erstmals beschrieben. Auch wenn Pilze keinen eigenen Schutzstatus haben, profitieren moortypische Arten von den Wiedervernässungen.