Neue Kartierung bestätigt Erfolge der Wiedervernässung
20. Mai 2026
Wie entwickelt sich das Leipheimer Moos nach mehr als drei Jahrzehnten Moorschutz und Wiedervernässung? Dieser Frage ging die Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos e. V. im Rahmen eines EFRE-geförderten Projekts gemeinsam mit Fachbüros und Botanikerinnen und Botanikern nach. Die Ergebnisse der 2025 durchgeführten Kartierung liegen nun vor und zeigen ein differenziertes Bild: Viele Maßnahmen wirken sichtbar, gleichzeitig bleibt die langfristige Entwicklung der wertvollen Moorlebensräume eine Generationenaufgabe.
Erstmals seit vielen Jahren wurde das gesamte FFH-Gebiet Leipheimer Moos sowie angrenzende Flächen systematisch erfasst. Neben einer flächendeckenden Biotop- und Lebensraumtypenkartierung wurden seltene Pflanzenarten kartiert und bestehende Dauerbeobachtungsflächen erneut untersucht. Damit liegt erstmals seit Jahrzehnten wieder eine aktuelle und belastbare Datengrundlage für die weitere Entwicklung des Schutzgebietes vor.
Wiedervernässung zeigt deutliche Wirkung
Das Leipheimer Moos war über viele Jahrzehnte von Entwässerung, Torfabbau und landwirtschaftlicher Nutzung geprägt. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurden erste Wiedervernässungsmaßnahmen umgesetzt. Seit 2011 wird das Gebiet zusätzlich über die Nauleitung mit Wasser versorgt. Die aktuellen Untersuchungen zeigen, dass diese Maßnahmen deutliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Moores haben.
In vielen Bereichen konnten sich typische Feuchtlebensräume stabilisieren oder neu entwickeln. Großseggenriede, Nasswiesen, Flachmoorbereiche und Feuchtgebüsche prägen heute große Teile des Schutzgebietes. Zahlreiche Arten, die auf dauerhaft feuchte Bedingungen angewiesen sind, profitieren von den höheren Wasserständen. Besonders erfreulich ist die Entwicklung von Arten wie der Sumpf-Stendelwurz oder dem Schmalblättrigen Wollgras, die inzwischen wieder an mehreren Stellen vorkommen.
Auch die großflächigen Pfeifengraswiesen zählen weiterhin zu den botanisch wertvollsten Lebensräumen des Gebietes. Hier wachsen seltene Arten wie die Sibirische Schwertlilie, Färberscharte oder verschiedene Orchideenarten. Die Kartierer bezeichnen diese Flächen als die artenreichsten und floristisch wertvollsten Vegetationsbestände des Leipheimer Mooses.
Das Moos bleibt ein europäisches Naturerbe
Die Untersuchungen bestätigen die hohe naturschutzfachliche Bedeutung des Leipheimer Mooses. Das Gebiet beherbergt eine Vielzahl seltener und gefährdeter Arten und stellt einen wichtigen Baustein des europäischen Natura-2000-Netzwerks dar. Besonders wertvoll ist das kleinräumige Nebeneinander unterschiedlichster Lebensräume – von nassen Seggenrieden über Flachmoorbereiche bis hin zu extensiv genutzten Wiesenflächen.
Die Kartierung zeigt zudem, dass sich in den vergangenen Jahren strukturreiche Mosaike aus Feuchtflächen, offenen Wasserbereichen, Röhrichten und Weideflächen entwickelt haben. Auch die extensive Beweidung mit Wasserbüffeln, Hochlandrindern, Dexter-Rindern und Exmoorponys trägt dazu bei, unterschiedliche Lebensräume zu erhalten und neue Strukturen entstehen zu lassen.
Einige typische Moorarten bleiben Sorgenkinder
Trotz der positiven Entwicklung macht die Kartierung aber auch deutlich, dass die Folgen jahrzehntelanger Entwässerung noch immer sichtbar sind. Viele besonders anspruchsvolle Arten der kalkreichen Niedermoore sind nur noch in kleinen Restbeständen vorhanden oder bereits verschwunden. Dazu zählen beispielsweise die Mehlprimel, das Rostrote Kopfried oder der Lungenenzian, die früher charakteristische Arten des Leipheimer Mooses waren.
Die Fachgutachter weisen darauf hin, dass die historischen Eingriffe in den Wasserhaushalt, aber auch Nährstoffeinträge aus der Vergangenheit bis heute nachwirken. Viele Lebensräume befinden sich noch immer in einer Übergangsphase. Die Regeneration eines Niedermoores ist ein sehr langfristiger Prozess, der oft mehrere Jahrzehnte benötigt.
Grundlage für die nächsten Schritte
Für die ARGE Donaumoos sind die Ergebnisse eine wichtige Bestätigung der bisherigen Arbeit. Gleichzeitig liefern die Untersuchungen konkrete Hinweise für zukünftige Maßnahmen. Dazu gehören die weitere Sicherung hoher Wasserstände, die gezielte Pflege wertvoller Offenlandbereiche sowie die Bekämpfung von Verbuschung und Verfilzung in einzelnen Bereichen.
„Die Kartierung zeigt, dass unsere Wiedervernässungsmaßnahmen wirken. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass Moorschutz Ausdauer braucht. Viele Entwicklungen benötigen Jahrzehnte. Die neuen Daten helfen uns, Erfolge sichtbar zu machen und zukünftige Maßnahmen noch gezielter umzusetzen“, erklärt die ARGE Donaumoos.
Die Untersuchung wurde im Rahmen des EFRE-Projekts „Integrative Umsetzung des FFH-Managementplans Leipheimer Moos“ durchgeführt und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, den Freistaat Bayern sowie die Regierung von Schwaben gefördert.

Neue Kartierung bestätigt den Erfolg der Wiedervernässung im Leipheimer Moos. Seltene Feuchtgebietsarten profitieren von den verbesserten Wasserständen, gleichzeitig bleiben viele typische Moorarten weiterhin stark gefährdet. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die nächsten Schritte im Moorschutz.