Handarbeit für die Artenvielfalt
09. Juni 2026
Letzten Dienstag war es wieder so weit: 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines FÖJ-Seminars des mooseums unterstützten die ARGE Donaumoos bei einem Pflegeeinsatz auf der sogenannten Blumenwiese im Leipheimer Moos. Gemeinsam leisteten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt eines besonders wertvollen Streuwiesen-Lebensraums, der zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten als Rückzugsort dient.
Im Mittelpunkt der Arbeiten stand das Knicken von jungen Faulbäumen sowie das Entfernen von Filzschichten aus abgestorbenem Pflanzenmaterial. Die Maßnahmen werden im Rahmen des EFRE-Projekts „Innovativer Klimaschutz in Bayern – Natura 2000-Umsetzung im Schwäbischen Donaumoos“ durchgeführt und dienen dem langfristigen Erhalt der artenreichen Streuwiesen.
Auf den ersten Blick mag das Knicken von Gehölzen ungewöhnlich erscheinen. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist diese Methode jedoch besonders wirkungsvoll. Ein einfaches Abschneiden des Faulbaums würde häufig einen kräftigen Wiederaustrieb fördern. Durch das Knicken nach der vollständigen Blattausbildung wird die Versorgung des Astes mit Wasser und Nährstoffen stark beeinträchtigt. Gleichzeitig versucht die Pflanze weiterhin, den geschädigten Trieb zu erhalten, wodurch sie zusätzliche Energie verbraucht und nachhaltig geschwächt wird. So kann die Ausbreitung des Gehölzes reduziert werden, ohne die empfindliche Streuwiese großflächig zu beeinträchtigen.
Eine maschinelle Pflege durch Mähen, Mulchen oder Fräsen ist auf der Blumenwiese zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Grund dafür ist unter anderem der streng geschützte Dunkle Ameisenbläuling. Die seltene Schmetterlingsart ist auf bestimmte Wirtspflanzen und Ameisennester angewiesen. Während sich die Falter auf ihren Hochzeitsflug und die Eiablage vorbereiten, würden Eingriffe in die Vegetation oder den Boden die empfindlichen Lebensgemeinschaften erheblich stören. Die schonende Handarbeit ermöglicht dagegen eine gezielte Pflege, ohne die wertvollen Lebensräume zu gefährden.
Neben dem Zurückdrängen der Verbuschung wurde auch sogenannter Filz entfernt. Dabei handelt es sich um abgestorbene Pflanzenreste, die sich über Jahre auf der Bodenoberfläche ansammeln können. Wird diese Schicht zu mächtig, erschwert sie die Keimung vieler charakteristischer Streuwiesenpflanzen. Durch ihre Entfernung erhalten lichtliebende Arten wieder bessere Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Blumenwiese zählt zu den botanischen Besonderheiten des Leipheimer Mooses. Hier wachsen seltene Pflanzenarten wie die Mehlprimel, außerdem finden zahlreiche Insektenarten, darunter bedrohte Schmetterlinge, geeignete Lebensbedingungen. Ohne regelmäßige Pflege würden die offenen Flächen nach und nach verbuschen und ihren einzigartigen Charakter verlieren.
Die ARGE Donaumoos bedankt sich herzlich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des FÖJ-Seminars des mooseums für ihren engagierten Einsatz. Solche Arbeitseinsätze zeigen eindrucksvoll, wie wichtig praktische Naturschutzarbeit vor Ort ist und welchen Beitrag junge Menschen zum Erhalt unserer heimischen Artenvielfalt leisten können.
Förderhinweis: Die Maßnahme wird im Rahmen des Projekts „Innovativer Klimaschutz in Bayern – Natura 2000-Umsetzung im Schwäbischen Donaumoos“ umgesetzt. Das Vorhaben wird durch den Freistaat Bayern sowie aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Programm „Investitionen in Beschäftigung und Wachstum Bayern 2021–2027“ gefördert.
22 FÖJ-Teilnehmer des mooseums pflegten die Blumenwiese im Leipheimer Moos. Durch Faulbaum-Knicken und Filzentfernung werden seltene Streuwiesenarten und der Lebensraum des Ameisenbläulings erhalten.