Aus dem Moor auf die Baustelle: ARGE Donaumoos testet Dämmplatten aus Paludibiomasse
29. Mai 2026
Wie kann Klimaschutz auf Moorflächen mit einer wirtschaftlichen Nutzung verbunden werden? Dieser Frage geht die Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos e. V. seit mehreren Jahren nach. Ein wichtiger Baustein dabei ist die Entwicklung neuer Verwertungsmöglichkeiten für Biomasse von wiedervernässten Moorflächen.
Im Rahmen des Projekts „Vorbereitung und Begleitung von Maßnahmen zur nachhaltigen Moorbewirtschaftung im Schwäbischen Donaumoos“ hat die ARGE Donaumoos gemeinsam mit Partnern erstmals die industrielle Herstellung von Dämmplatten aus Paludibiomasse unter Praxisbedingungen getestet. Verarbeitet wurden unter anderem Seggenmaterial (Carex), Nasswiesenheu sowie weitere Biomassen von nassen Standorten. Die Versuche zeigen, dass die Herstellung von Dämmplatten technisch möglich ist und die eingesetzten Materialien grundsätzlich für eine industrielle Produktion geeignet sind.
Die Ergebnisse sind von besonderer Bedeutung für die Zukunft der Moorregionen. Denn erfolgreiche Wiedervernässung allein reicht langfristig nicht aus. Soll Moorschutz in der Fläche gelingen, benötigen landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftliche Perspektiven für die Nutzung nasser Standorte. Genau hier setzt die Paludikultur an – die Bewirtschaftung wiedervernässter Moorflächen mit angepassten Kulturen und Nutzungssystemen.
„Landwirte können einen entscheidenden Beitrag zum Moor- und Klimaschutz leisten. Dafür müssen wir aber Wege finden, wie die auf nassen Flächen erzeugte Biomasse sinnvoll und wirtschaftlich genutzt werden kann“, erklärt die ARGE Donaumoos.
Die Herstellung von Dämmstoffen könnte künftig eine solche Nutzungsmöglichkeit darstellen. Die Bauwirtschaft steht unter zunehmendem Druck, klimafreundliche und nachwachsende Rohstoffe einzusetzen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an nachhaltigen Dämm- und Baustoffen. Biomasse aus Mooren könnte hierfür künftig einen wichtigen Beitrag leisten. Erste Testreihen zeigen, dass insbesondere Seggenmaterial hervorragende Eigenschaften für die Herstellung von Dämmplatten besitzt.
Neben gezielt angebauter Paludibiomasse könnten künftig auch Materialien aus der Landschaftspflege, beispielsweise von Feuchtwiesen oder Naturschutzflächen, stofflich verwertet werden. Dadurch würden neue Nutzungsmöglichkeiten für Biomassen entstehen, die bislang häufig kostenintensiv entsorgt oder lediglich energetisch verwertet werden.
Von einer marktfähigen Produktion ist man jedoch noch ein Stück entfernt. Derzeit fehlen in Deutschland weitgehend die notwendigen regionalen Wertschöpfungsketten – von der Ernte über die Aufbereitung und Verarbeitung bis hin zum Vertrieb der Produkte. Genau an diesem Punkt arbeitet die ARGE Donaumoos gemeinsam mit Partnern aus Landwirtschaft, Wirtschaft und Forschung.
Ziel ist es, eine regionale Wertschöpfungskette „aus der Region – für die Region“ aufzubauen. Die Rohstoffe sollen möglichst aus wiedervernässten Moorflächen und Landschaftspflegemaßnahmen stammen, regional verarbeitet und anschließend in der Bauwirtschaft eingesetzt werden. Damit könnten Klimaschutz, regionale Wirtschaftsentwicklung und neue Einkommensperspektiven für Landwirte miteinander verbunden werden.
Die aktuellen Untersuchungen zeigen, dass die technologische Grundlage hierfür bereits vorhanden ist. Nun gilt es, die nächsten Schritte zu gehen: weitere Produktprüfungen, die Erprobung unter Praxisbedingungen sowie den Aufbau einer Pilotproduktion und langfristig einer funktionierenden Wertschöpfungskette. Die ARGE Donaumoos sieht darin eine große Chance für die Moorregionen der Zukunft.
„Moorschutz braucht Perspektiven. Wenn es gelingt, aus Biomasse von wiedervernässten Flächen hochwertige Produkte herzustellen, können Moor- und Klimaschutz, Landwirtschaft und regionale Wirtschaft gemeinsam profitieren.“
Die ARGE Donaumoos testet erfolgreich Dämmplatten aus Biomasse wiedervernässter Moorflächen. Ziel ist der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten, die Moorschutz, Landwirtschaft und nachhaltiges Bauen verbinden.