Schwäbisches Donautal will Leuchtturmregion für Moorbodenschutz werden
30. Juni 2026
Wie können Moor- und Klimaschutz mit einer langfristig tragfähigen landwirtschaftlichen Nutzung verbunden werden? Dieser Frage widmet sich die Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos e. V. (ARGE Donaumoos) seit vielen Jahren. Nun soll der Ansatz auf eine neue Ebene gehoben werden: Im Juni 2026 hat die ARGE Donaumoos für das Schwäbische Donautal eine Interessenbekundung als Leuchtturmregion im Rahmen der Palu-Förderrichtlinie des Bundes eingereicht.
Unter dem Arbeitstitel „Moorverbund Schwäbisches Donautal – PALUREGIO“ soll eine länderübergreifende Modellregion für Moorbodenschutz, Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung entstehen. Die vorgesehene Kulisse umfasst rund 8.700 Hektar Moorbodenfläche im Schwäbischen Donautal – etwa 7.200 Hektar in Bayern und 1.500 Hektar in Baden-Württemberg.
Eine Besonderheit ist der konsequent länderübergreifende Ansatz. Die Entwicklung der Moorgebiete soll nicht an Verwaltungs- oder Landesgrenzen enden. Stattdessen sollen Akteure und bestehende Strukturen entlang des Schwäbischen Donautals zusammengeführt werden. Neben der ARGE Donaumoos sind unter anderem Donautal-Aktiv e. V. und der Landschaftspflegeverband Donau-Ries e. V. wichtige regionale Partner. Auf baden-württembergischer Seite werden weitere für Flächenentwicklung und Wassermanagement wichtige Akteure wie die Landsiedlung Baden-Württemberg und die Landeswasserversorgung einbezogen.
„Moorbodenschutz kann dauerhaft nur gemeinsam mit Landwirtschaft, Grundeigentümern und den Menschen in der Region gelingen. Deshalb wollen wir Wiedervernässung von Anfang an mit einer langfristigen Nutzung der Flächen und regionaler Wertschöpfung zusammendenken“, erklärt Dr. Raphael Rehm, Geschäftsführer der ARGE Donaumoos. „Mit PALUREGIO wollen wir dafür im gesamten Schwäbischen Donautal tragfähige Strukturen entwickeln.“
Landwirtschaftliche Nutzung als zentraler Baustein
Ein wesentlicher Bestandteil der Interessenbekundung ist die Frage, wie wiedervernässte Moorböden weiterhin landwirtschaftlich genutzt und daraus wirtschaftliche Perspektiven für die Betriebe entwickelt werden können. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Paludikultur – die landwirtschaftliche Nutzung nasser und wiedervernässter Moorböden.
Hier verfügt die Region bereits über praktische Erfahrungen. Im Rahmen des Projekts „Vorbereitung und Begleitung von Maßnahmen zur nachhaltigen Moorbewirtschaftung im Schwäbischen Donaumoos“ arbeitet die ARGE Donaumoos unter anderem an Testproduktionen von Dämmplatten aus Paludibiomasse wie Seggen und Nasswiesenheu. Die bisherigen Versuche zeigen, dass eine stabile Produktion unter praxisnahen Bedingungen grundsätzlich möglich ist.
Gleichzeitig wird deutlich, dass für eine Umsetzung in größerem Maßstab nicht allein die technische Machbarkeit entscheidend ist. Benötigt werden funktionierende Strukturen für Ernte, Logistik, Lagerung, Aufbereitung und Vermarktung sowie verlässliche wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche Betriebe.
Hier setzt die Idee eines Paludi-Hubs an. Dieser soll perspektivisch die praktische Umsetzung der Paludikultur unterstützen und insbesondere Ernte, Logistik, Lagerung, Aufbereitung und Vermarktung von Paludibiomasse zusammenführen. Wiedervernässung und nasse Bewirtschaftung sollen so von Beginn an mit konkreten Verwertungsmöglichkeiten verbunden werden.
Bestehende Zusammenarbeit als Grundlage
Mit dem von der ARGE Donaumoos initiierten Projekt WIRMOOR – Zusammen WIRken für die MOORregion Schwäbisches Donaumoos besteht bereits eine wichtige Grundlage für die länderübergreifende Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Landwirtschaft, Grundeigentümern, Kommunen, Behörden und weiteren regionalen Partnern werden Grundlagen und Zielbilder für die zukünftige Entwicklung der Moorregion erarbeitet.
PALUREGIO soll auf diesen bestehenden Strukturen und Erfahrungen aufbauen und sie zu einer langfristigen Entwicklungsperspektive für das gesamte Schwäbische Donautal verbinden. Perspektivisch ist dabei auch eine länderübergreifende Moorentwicklungsgesellschaft vorgesehen, die Flächenentwicklung, Wassermanagement, landwirtschaftliche Nutzung, Beratung und Wertschöpfung über administrative Grenzen hinweg zusammenführen könnte.
Mit der eingereichten Interessenbekundung ist zunächst ein erster Schritt getan. Ob das Schwäbische Donautal in das weitere Verfahren zur Entwicklung einer Leuchtturmregion aufgenommen wird und ein entsprechender Förderantrag gestellt werden kann, hängt vom weiteren Auswahlverfahren ab.

Das Schwäbische Donautal will Leuchtturmregion für Moorbodenschutz werden. Die ARGE Donaumoos hat dafür eine Interessenbekundung eingereicht. Ziel ist es, Moorschutz, Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung dauerhaft zu verbinden.