Grundwasser in Riedheim erreicht neuen Tiefststand - und trotzdem steht Wasser im Moor

11. August 2026

Die Trockenheit des Jahres 2026 hinterlässt immer deutlichere Spuren im Schwäbischen Donaumoos. Nach dem trockensten Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen folgten nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes auch der heißeste Juni und Juli seit Beginn der Aufzeichnungen. Nun ist in Riedheim ein weiterer Negativrekord erreicht: Am 8. August wurde an der dortigen Grundwassermessstelle mit 448,46 Metern über Normalnull ein neuer Niedrigststand gemessen. Das Grundwasser liegt dort inzwischen rund 1,79 Meter unter der Geländeoberfläche.

Riedheim ist damit kein Einzelfall. Zahlreiche Grundwassermessstellen in Bayern zeigen derzeit niedrige oder sehr niedrige Wasserstände. Das trockenste Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und die anhaltend niederschlagsarmen Sommermonate hinterlassen zunehmend Spuren in Landschaft und Grundwasser.

„Wir erleben gerade sehr unmittelbar, was es bedeutet, wenn über Monate Wasser in der Landschaft fehlt“, sagt Dr. Raphael Rehm, Geschäftsführer der ARGE Donaumoos. „Das Entscheidende ist aber: Wir sind dieser Entwicklung nicht völlig hilflos ausgeliefert. Wir können etwas tun – auch wenn einzelne Maßnahmen zunächst klein erscheinen.“

Wasser aus der Nau hilft dem Leipheimer Moos

Ein Beispiel dafür liegt nur wenige Kilometer von der Riedheimer Messstelle entfernt. Seit Anfang Mai konnte die ARGE Donaumoos über weite Strecken Wasser aus der Nau in wiedervernässte Bereiche des Leipheimer Mooses leiten. Bis zu 90 Liter pro Sekunde werden dabei über die sogenannte Nauleitung in das Moorgebiet geführt.

Gerade der Zeitpunkt war entscheidend: Die Wasserzufuhr konnte über weite Teile der besonders empfindlichen Brut- und Aufzuchtzeit im Frühjahr und Frühsommer aufrechterhalten werden. Die bewässerten Moorflächen sind deshalb trotz der außergewöhnlichen Trockenheit überwiegend gut mit Wasser versorgt.

Für die auf nasse Lebensräume angewiesenen Pflanzen und Tiere ist das ein großer Unterschied. Flachwasserbereiche, feuchte Wiesen und wiedervernässte Moorflächen trocknen langsamer oder gar nicht aus. Damit bleiben Rückzugs-, Nahrungs- und Fortpflanzungsräume erhalten, während die umgebende Landschaft zunehmend unter Wassermangel leidet.

„Für uns ist das in diesem extremen Jahr ein sehr anschauliches Beispiel dafür, dass Maßnahmen zum Wasserrückhalt funktionieren“, erklärt Dr. Rehm. „Sie allein lösen nicht das Problem des globalen Klimawandels. Aber sie können vor Ort einen entscheidenden Unterschied machen.“

Doch auch die Nau hat Grenzen

Die Situation bleibt angespannt. Am 4. August wurde an der Musismühle bei Langenau für die Nau noch ein Abfluss von 647 Litern pro Sekunde gemessen. Anfang Juli waren es 721 Liter pro Sekunde. Historische Messungen seit 1948 zeigen, dass die Nau normalerweise einen vergleichsweise gleichmäßigen Abfluss besitzt. Sehr niedrige Abflüsse unter 500 Litern pro Sekunde kamen bislang nur selten vor; eine außergewöhnliche Niedrigwasserphase ist insbesondere aus dem Jahr 1950 bekannt.

Auch deshalb wird die Wasserentnahme für das Leipheimer Moos streng am verfügbaren Abfluss ausgerichtet. Sinkt dieser unter 590 Liter pro Sekunde, muss die Zuleitung gedrosselt werden. Bei weniger als 500 Litern pro Sekunde wird sie vollständig eingestellt.

Die ARGE hofft deshalb trotz der bislang erfolgreichen Wasserversorgung des Mooses dringend auf ergiebige Niederschläge. Denn auch eine vergleichsweise wasserreiche Karstquelle wie die Nau ist nicht unbegrenzt belastbar.

Unsere Landschaft hat das schnelle Ableiten gelernt

Für die ARGE Donaumoos zeigt die aktuelle Situation eine grundsätzliche Herausforderung im Umgang mit Wasser. Über Generationen wurden Landschaften darauf ausgerichtet, Wasser möglichst schnell abzuleiten: Moore wurden entwässert, Gräben angelegt, Flüsse und Bäche reguliert und Flächen drainiert. Das ermöglichte intensive Landnutzung und schützte Siedlungen und Flächen vor Nässe.

Unter den Bedingungen des Klimawandels wird die Kehrseite dieses Systems immer deutlicher. Wenn Niederschläge über längere Zeit ausbleiben, fehlt vielerorts genau das Wasser, das zuvor möglichst schnell aus der Landschaft abgeführt wurde.

„Wir müssen deshalb lernen, Wasser wieder stärker in der Landschaft zu halten“, sagt Dr. Rehm. „Das bedeutet nicht, dass wir überall einfach Gräben schließen oder Flächen unter Wasser setzen können. Wir brauchen intelligente, steuerbare Lösungen, die Hochwasserschutz, Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Naturschutz und die Bedürfnisse der Menschen gemeinsam betrachten.“

Moore spielen dabei eine besondere Rolle. Ein möglichst naturnaher Wasserhaushalt schützt nicht nur spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Nasse Moorböden setzen auch erheblich weniger Treibhausgase frei als entwässerte Moorböden. Gleichzeitig können Feuchtgebiete Wasser zurückhalten und Landschaften widerstandsfähiger gegenüber längeren Trockenperioden machen.

Kleine Maßnahmen – langfristige Aufgabe

Die Nauleitung allein wird den Landschaftswasserhaushalt des Donaumooses nicht verändern. Sie zeigt aber im Kleinen, was im Großen notwendig wird: Wasser nicht mehr grundsätzlich als etwas zu betrachten, das möglichst schnell aus einer Landschaft verschwinden muss, sondern als Ressource, die in Zeiten zunehmender Wetterextreme möglichst lange im System gehalten werden sollte.

Dazu braucht es viele Bausteine – von der Wiedervernässung von Mooren über angepasste Graben- und Gewässerbewirtschaftung bis hin zu Wasserrückhalt in Landwirtschaft, Wäldern und Siedlungen.

Und es braucht Zeit.

„Vieles, was wir heute beim Wasserhaushalt verändern, wird seine volle Wirkung erst in Jahren oder Jahrzehnten entfalten“, so Dr. Rehm. „Deshalb dürfen wir nicht erst anfangen, wenn der letzte Bach trockenfällt. Es geht darum, Landschaften zu schaffen, die auch unter den Bedingungen der Zukunft funktionieren – für Arten und Lebensräume genauso wie für Landwirtschaft, Gemeinden und die Menschen, die nach uns kommen.“

Im Leipheimer Moos ist in diesem trockenen Sommer zumindest ein kleiner Teil davon bereits sichtbar: Während ringsum die Grundwasserstände neue Tiefstände erreichen, steht in den wiedervernässten Flächen noch Wasser.

Jetzt wäre trotzdem eines besonders willkommen: Regen.

Grundwasser in Riedheim erreicht neuen Tiefststand - und trotzdem steht Wasser im Moor
Grundwasser in Riedheim erreicht neuen Tiefststand - und trotzdem steht Wasser im Moor

Extreme Trockenheit lässt die Grundwasserstände im Donaumoos auf Rekordtiefs sinken. Im Leipheimer Moos zeigt sich zugleich: Gezielter Wasserrückhalt wirkt. Ein Beispiel dafür, warum wir Wasser künftig wieder stärker in der Landschaft halten müssen.

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