Moorschutz braucht Wertschöpfung: ARGE Donaumoos diskutiert Hemmnisse mit Politik und Landwirtschaft
15. Juni 2026
Wie kann aus wiedervernässten Mooren ein funktionierender Wirtschaftsraum entstehen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos (ARGE Donaumoos) im Rahmen ihrer Vorstandssitzung. Im Mittelpunkt standen die aktuellen Herausforderungen beim Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten für Paludibiomasse sowie die politischen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Moorwirtschaft.
Geschäftsführer Dr. Raphael Rehm und sein Team stellten den aktuellen Stand der Arbeiten zur Paludiverwertung vor. In den vergangenen Jahren konnten zahlreiche Forschungs- und Pilotprojekte die technische Machbarkeit einer nassen Moorbewirtschaftung nachweisen. Die zentrale Herausforderung liege inzwischen jedoch nicht mehr in der Forschung, sondern in der praktischen Umsetzung.
Ein wichtiger Austausch fand hierzu bei einem Vor-Ort-Termin mit dem Bundestagsabgeordneten Alexander Engelhard, der Landtagsabgeordneten Marina Jakob sowie Jenny Schack statt. Gemeinsam mit Landwirten und Vertretern der Landwirtschaft wurden die aktuellen Hemmnisse diskutiert und Lösungsansätze erörtert.
„Wir wissen heute, dass Paludikultur funktionieren kann. Jetzt müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sie auch wirtschaftlich tragfähig wird“, betonte Rehm.
Als zentrale Herausforderungen wurden insbesondere die rechtlichen Unsicherheiten bei Wiedervernässungsmaßnahmen, langwierige Genehmigungsverfahren sowie fehlende Fördermöglichkeiten für den Aufbau von Ernte-, Logistik-, Lager- und Vermarktungsstrukturen benannt. Darüber hinaus fehlen bislang vielfach die Voraussetzungen, um Paludibiomasse in bestehende Wirtschafts- und Förderstrukturen zu integrieren.
Für das Schwäbische Donaumoos stehen derzeit vor allem Fragen der Vermarktung und Logistik im Vordergrund. Während das Interesse potenzieller Verarbeiter und Industriepartner an regional erzeugter Paludibiomasse wächst, erschweren fehlende Codierungen und Erfassungssysteme sowie hohe Anforderungen an Transport und Aufbereitung den Aufbau stabiler Wertschöpfungsketten.
Die ARGE Donaumoos sieht hierin eine entscheidende Zukunftsaufgabe. Nur wenn es gelingt, für die auf nassen Moorböden erzeugte Biomasse dauerhaft Absatzmärkte und wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen, können Moor- und Klimaschutz mit den Interessen der Landnutzer erfolgreich verbunden werden.
Die Abegordneten bekräftigten daher die Bedeutung einer stärkeren politischen Unterstützung beim Aufbau regionaler Verwertungsstrukturen. Forschung und Pilotprojekte hätten wichtige Grundlagen geschaffen. Nun müsse der Schwerpunkt verstärkt auf Umsetzung, Rechtssicherheit und wirtschaftliche Tragfähigkeit gelegt werden.
„Moorschutz wird langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn er auch für die Menschen vor Ort eine Perspektive bietet. Klimaschutz und regionale Wertschöpfung müssen Hand in Hand gehen“, so das Fazit der Zusammenkunft.
Das Vorhaben „Maßnahmen zur nachhaltigen Moorbewirtschaftung im Schwäbischen Donaumoos“ wird durch den Freistaat Bayern aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) gefördert.

Im Austausch mit Abgeordneten, Landwirten und weiteren Akteuren wurden aktuelle Herausforderungen beim Aufbau regionaler Verwertungsstrukturen sowie notwendige politische und rechtliche Rahmenbedingungen erörtert.