Wanderfalken brüten erstmals an der Leipheimer St.-Veits-Kirche

30. Juli 2026

Eine besondere ornithologische Entdeckung gibt es aus der Leipheimer Innenstadt: An der St.-Veits-Kirche hat in diesem Jahr ein Wanderfalkenpaar erfolgreich gebrütet. Entdeckt und über die Brutzeit beobachtet wurde das Paar vom Leipheimer Diplom-Biologen und Ornithologen Dr. Ulrich Mäck, dem ehemaligen Geschäftsführer der ARGE Donaumoos. Zwei Jungvögel wurden erfolgreich großgezogen und sind inzwischen ausgeflogen. Für den Landkreis Günzburg handelt es sich erst um den dritten bekannten Brutplatz des Wanderfalken.

Besonders ungewöhnlich ist der gewählte Brutplatz. Am Turm der St.-Veits-Kirche befindet sich seit vielen Jahren ein Nistkasten, der eigentlich für die deutlich kleineren Turmfalken gedacht ist und von diesen auch regelmäßig genutzt wurde. Umso größer war die Überraschung für Dr. Mäck, als er feststellte, dass sich dort in diesem Jahr Wanderfalken eingerichtet hatten. Obwohl der Kasten für die größeren Vögel eigentlich zu klein ist, gelang die Brut: Die beiden Altvögel zogen darin erfolgreich zwei Junge auf – ein echtes „Tiny House“ für Wanderfalken.

„Dass Wanderfalken mitten in Leipheim erfolgreich brüten, ist etwas Besonderes. Dr. Ulrich Mäck hat die Brut entdeckt, über längere Zeit beobachtet und hervorragend dokumentiert. Dadurch bekommen wir einen seltenen Einblick in das Leben dieser faszinierenden Vögel direkt vor unserer Haustür“, sagt Dr. Raphael Rehm, Geschäftsführer der ARGE Donaumoos.

Wanderfalken sind hoch spezialisierte Vogeljäger. Ihre Beute ergreifen sie im Flug. Ursprünglich nutzen sie vor allem Felswände als Brutplätze. In den vergangenen Jahrzehnten haben sie jedoch zunehmend auch Städte besiedelt, wo hohe Gebäude und Türme geeignete Ersatzbrutplätze bieten. Gleichzeitig steht dort mit Stadttauben und anderen Vögeln ein gutes Nahrungsangebot zur Verfügung.

Dass Wanderfalken heute wieder in unserer Region beobachtet werden können, ist zugleich eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. Mitte des vergangenen Jahrhunderts brachen ihre Bestände vor allem durch die Auswirkungen des Pflanzenschutzmittels DDT dramatisch ein. Das Gift reicherte sich über die Nahrungskette an und führte unter anderem zu dünneren Eischalen und erheblichen Brutausfällen. Nach dem Verbot von DDT und durch intensive Schutzmaßnahmen konnten sich die Bestände wieder erholen.

Leipheim entwickelt sich damit um eine bemerkenswerte Vogelart reicher. Bereits seit einigen Jahren brüten wieder Weißstörche im Stadtgebiet; 2026 waren es insgesamt acht Paare. Im Auwald zog zudem 2019 erstmals ein Kolkrabenpaar erfolgreich Junge auf.

Inzwischen ist am Kirchturm wieder Ruhe eingekehrt: Die jungen Wanderfalken sind ausgeflogen. Ob das Paar im kommenden Jahr zurückkehrt, bleibt abzuwarten. Unter den Ornithologen wird bereits darüber diskutiert, den bisherigen Nistkasten gegen ein größeres, für Wanderfalken besser geeignetes Modell auszutauschen.

Wanderfalken brüten erstmals an der Leipheimer St.-Veits-Kirche
Wanderfalken brüten erstmals an der Leipheimer St.-Veits-Kirche

Besondere Entdeckung des Ornithologen und ehemaligen ARGE-Geschäftsführers Dr. Ulrich Mäck – zwei Jungvögel erfolgreich ausgeflogen. Foto: Wanderfalke Männchen mit einem erbeuteten jungen Star. Foto: Dr. Ulrich Mäck

Datenschutzhinweis

Diese Webseite nutzt externe Komponenten, wie z.B. Google Maps und Komoot. Weitere Informationen dazu unter Datenschutzinformationen

Notwendige Cookies werden immer geladen