Das Donaumoos und die Wälder entlang der Donau zählen zu den herausragenden Vogel-Lebensräumen in Deutschland. Die Bedeutung des Gebietes liegt vor allem im räumlichen Zusammentreffen einer Vielzahl unterschiedlichster Biotoptypen in einer naturschutzfachlich hochwertigen Ausstattung. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden hier mindestens 270 Vogelarten beobachtet. Einige werden unten in Wort und Bild gezeigt:

Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)

gehören zu den charakteristischen Vögeln von Flusslandschaften. Sie brüten auf Kiesinseln im Flusslauf mit wenig oder sehr niedriger Vegetation, wie sie nach Hochwässern in der Wildflusslandschaft durch die Kraft des Wassers häufig entstehen. Im Strom unserer begradigten Flüsse fehlen solche Standorte nahezu komplett und der Flussregenpfeifer muss auf sog. Sekundärstandorte, geschaffen von Menschenhand, wie z. B. Kieswerksflächen ausweichen. Obwohl er, wie man auch an seinem kurzen Schnabel sieht, nicht wie andere in Schlickflächen stochernd ihre Nahrung finden, gehört er doch zur Gruppe der Watvögel.

Uferschwalben (Riparia riparia)

sind ebenfalls Vögel der wilden Flusslandschaften. Sie brüten in sandigen Schichten der Prallhänge. Dort hinein graben sie ihre Brutröhren. Ohne künstliche Nisthilfen, sei es in Steilwänden an Baggerseen, künstlich eigens dafür aufgeschütteten Sandbergen oder sogar kleinen "Holzhütten" mit Brutröhren, hätten sie hier bei uns keine Brutmöglichkeiten mehr.

Bekassinen (Gallinago gallinago)

sind typische Vögel naturnaher Niedermoore. Sie brauchen weithin offene Flächen mit vielen Flachwasserbereichen. Sie suchen mit ihren langen Stocherschnäbeln im feuchten, weichen (Moor-)Boden nach Nahrung. Ihre Nester legen sie gerne in den Bulten der horstig wachsenden Großseggen an.
Die Bekassine war der Vogel des Jahres 2013 und sollte auf den Gefährdung der Lebensräume Moor und Feuchtgrünland aufmerksam machen, stellvertretend für die Artengruppe der Wat- und Wiesenvögel.
Trotz bundesweit extremen Rückgangs - ca. 50% Bestandsverlust zwischen 1990 und 2010 - nehmen die Brutpaarzahlen im Schwäbischen Donaumoos in folge der umfangreichen Entbuschungen und der Wiedervernässung seit Mitte der 1990er Jahre beständig zu - von 12 BP 1993 auf nun 47 (2016)!

Eisvogel (Alcedo atthis)

Der "fliegende Edelstein", wie der Eisvogel aufgrund seines schillernden Gefieders auch genannt wird, kommt bei uns noch regelmäßig vor. Häufig hört man nur einen kurzen lauten Pfiff und sieht einen blauen Blitz vorbeisausen. Glücklicherweise sind die Zeiten lang vorbei, in denen der schöne Vogel als angeblicher "Fischerei-Schädling" verfolgt wurde. Da die begradigte Donau keine sandige Steilufer mehr schafft, graben die Tiere ihre Brutröhren immer häufiger in die Erdschichten umgestürzter Wurzelteller großer Bäume.

Kraniche (Grus grus)

nutzen das Schwäbische Donaumoos erst seit 1992 regelmäßig auf dem Zug. Zunächst waren es nur einzelne Tiere, die auf dem Winterzug hier Rast machten. Nach einigen Jahren kamen sie auch auf dem Frühjahrszug bei uns vorbei und mittlerweile sind rastende Kraniche in den entsprechenden Jahreszeiten regelmäßig zu beobachten. Es sind allerdings keine tausende wie in Ost- und Nordeutschland. Eine Brut wurde bisher noch nicht nachgewiesen, Übersommerungen schon.

Merlin (Falco columbarius)

Viele nordische Greifvögel kommen als Wintergäste ins Schwäbische Donaumoos, darunter z. B. Merlin und Raufußbussard. Aber auch zur Brutzeit finden sich hier viele Mäusebussarde, Turmfalken, Rot- und Schwarzmilane ein. Sie finden auf der weiten Ebene auf den Grünlandflächen ihre Nahrung. Als Besonderheit brüten seit einigen Jahren wieder mehrere Paare Rohrweihen bei uns. Im Gegensatz zu den meisten anderen Arten brüten diese typischen Greifvögel der Niedermoore auf dem Boden, geschützt von der umgebenden hohen Vegetation.

Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis)

sind Höhlenbrüter, die jedoch auf verlassene Höhlen anderer Vogelarten oder Nistkästen angewiesen sind. Unsere Auwälder gehören mit zu den am dichtesten vom Halsbandschnäpper besiedelten Gebieten in Deutschland. Die über 400 kartierten Brutpaare bedeuten ca. 14 Brutpaare pro qkm. Mitte der 1960er Jahre waren nur ca. 60 Brutpaare bekannt.

 

 

Der Große Brachvogel (Numenius arquata)

brütete bei uns in den 1960er Jahren noch in guten Beständen. Seither ist die Populationsentwicklung stark rückläufig. Dazu trägt in erster Linie die immer weiter intensivierte Landwirtschaft bei. Die Tiere finden immer weniger Nahrung und ungestörte Brutmöglichkeiten, da die Bewirtschaftung der Flächen immer früher beginnt. Ausserdem sind die Grasbestände der wenigen verbliebenen Wiesen ganz anders als früher, einige wenige, dicht wachsende Grasarten bestimmen das Bild und der Struktur- und Kräuterreichtum alter Wiesen blieb auf der Strecke. In den letzten Jahren versuchten meist nur noch 2 Brutpaare - meist erfolglos - ihr Glück. Es ist sehr fraglich, ob der Große Brachvogel im Schwäbischen Donaumoos zu halten sein wird.

Kiebitz (Vanellus vanellus)
Ein ähnliches Schicksal wie dem Großen Brachvogel droht seit kurzem auch dem Kiebitz. Früher ein Allerweltsvogel, der zu mehreren tausend das Donaumoos auf dem Zug durchquerte, sinken die Brutbestände rasch ab. Anfangs der 1990er Jahre brüteten noch mind. 120 Paare, in 2016 waren es grade noch ein knappes Viertel davon. Auch der Kiebitz kann die heutigen Wiesen nicht mehr als Brutplatz nutzen, es fehlen größere offene Bodenstellen und Schlammbänke, wie sie nach Überschwemmungen auftreten. Er wich auf die Äcker aus und kommt so in vielen Fällen aufgrund der frühen Bodenbearbeitungen buchstäblich "unter die Räder". Ein Schutzprojekt des NABU sucht nun nach kiebitzfreundlichen Bewirtschaftungsalternativen und Partner hier bei sind auch die ARGE Donaumoos und die Landwirte vor Ort.

Sumpfohreule (Asio flammeus)
Das Schwäbische Donaumoos war in den 1960er und 19070er Jahren des bedeutendste Brutgebiet dieser Art in Süddeutschland. Es brüteten z. B. im Jahr 1967 allein 16 Brutpaare im Langenauer Ried. Wenige Jahre später verschwand die Sumpfohreule bis heute als Brutvogel aus unserem Gebiet. Lediglich den Winter verbringen noch regelmäßig einzelne Tiere bei uns, selten sind es über 10. Neuerdings wurden sehr selten auch wieder einzelne Tiere im Sommer gesehen - dies gibt Anlaß zur Hoffnung auf eine Wiederbesiedlung unseres Gebietes.

Auch über die artenreiche Vogelwelt gibt es im 2012 erschienenen Buch von Dr. Ulrich Mäck & Dr. Hans Ehrhardt über das "Schwäbische Donaumoos - Niedermoore, Hand- und Auwälder" ein eigenes Kapitel mit vielen eindrucksvollen Fotos geschrieben vom Diplom-Biologen Dr. Ulrich Mäck, der als ARGE-Geschäftsführer und in seiner Freizeit das Schwäbische Donaumoos nun seit über 25 Jahren bestens kennt, zusammen mit dem wohl profundesten Kenner der Vogelwelt unseres Gebietes, Klaus Schilhansl, der die Vögel hier von Kindesbeinen an beobachtet. Sie erhalten das Buch in jeder Buchhandlung (ISBN 978-3-9815230-0-3) oder hier bei uns.